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Taiwan warnt vor Überwachung durch billige Reise-eSIMs

Taiwans Cybersicherheitsbehörde warnt Urlauber kurz vor den Sommerferien vor günstigen eSIM-Angeboten unbekannter Anbieter. Der Grund: Solche eSIMs können den mobilen Datenverkehr über Drittstaaten leiten, darunter chinesische Telekommunikationsnetze. Dort lässt sich unverschlüsselter Datenverkehr potenziell mitlesen.

Was ist passiert

Die dem taiwanischen Digitalministerium unterstellte Cybersicherheitsbehörde (Administration for Cyber Security) hat laut taiwanischen Medien vor dem Kauf von besonders billigen Reise-eSIMs gewarnt. Solche Angebote weitgehend unbekannter Anbieter könnten den Datenverkehr durch Netze dritter Länder routen, statt ihn lokal im Reiseland zu verarbeiten. Konkret nennt die Behörde chinesische Telekommunikationsanbieter als mögliches Risiko. Da Taiwan China grundsätzlich als Überwachungsstaat betrachtet, wiegt diese Warnung dort besonders schwer.

Wie sieht Risiko technisch aus?

Eine eSIM ersetzt die physische SIM-Karte durch ein digital geladenes Profil, das auf einem fest verbauten Chip im Gerät gespeichert wird. Sie enthält im Kern nur die Rufnummer und verschlüsselte Telekommunikationszugangsdaten und kann selbst keine auf dem Smartphone gespeicherten Daten wie Fotos, Kontakte oder Chatverläufe auslesen. Das eigentliche Risiko liegt im Routing: Viele günstige Reise-eSIMs sind Wiederverkaufsprodukte, bei denen der Datenverkehr nicht zwingend über das lokale Netz des Reiselandes läuft, sondern über das Netz eines Drittanbieters geleitet wird. Läuft dieser Verkehr durch ein Netz, das überwacht werden kann, lassen sich unverschlüsselte Inhalte wie Browser-Verlauf oder Zugangsdaten dort potenziell abgreifen. Zusätzlich benötigen manche eSIM-Angebote eine eigene App zur Aktivierung. Verlangt diese App Zugriff auf Kontakte, Fotos, Bluetooth oder den Standort, sollte das genau geprüft werden, da hierüber zusätzliche Daten abfließen können, unabhängig vom eigentlichen eSIM-Routing.

Dass Reise-eSIMs Datenverkehr unbemerkt über fremde Netze leiten, ist kein rein taiwanisches Phänomen. Forscher der Northeastern University haben in einer auf dem USENIX Security Symposium vorgestellten Studie 25 eSIM-Anbieter wie Holafly, Airalo und eSIM Access untersucht und festgestellt, dass die öffentliche IP-Adresse der getesteten Geräte in den meisten Fällen nicht zum tatsächlichen Aufenthaltsort passte, sondern einem Drittstaat zugeordnet war, in mehreren Fällen China. Den Nutzern wurde dieses Routing dabei nicht offengelegt.

Wer ist betroffen

Betroffen sind grundsätzlich alle Reisenden, die eine eSIM von einem wenig bekannten oder besonders günstigen Anbieter nutzen, unabhängig vom Zielland. Taiwans Cybersicherheitsbehörde äußert ihre Warnung zwar speziell mit Blick auf chinesische Netze, das zugrunde liegende Risiko des intransparenten Routings betrifft aber den gesamten Markt für Reise-eSIMs.

Handlungsempfehlungen
  • eSIMs nur bei Plattformen mit transparenten Kontaktinformationen kaufen
  • Wo möglich, internationales Roaming über den heimischen Mobilfunkvertrag nutzen, statt eine fremde eSIM zu erwerben
  • Falls eine eSIM gewünscht ist, ein Angebot wählen, das über einen großen Mobilfunkbetreiber im Zielland läuft