Cyberangriff auf Berliner Osteuropa-Forschungszentrum ZOiS: Kontodaten möglicherweise betroffen
Das Zentrum für Osteuropa- und internationale Studien (ZOiS) in Berlin wurde Ziel eines Cyberangriffs. Angreifer verschafften sich Zugriff auf die Dateiserver des Instituts, betroffen sein können auch beim ZOiS hinterlegte Kontodaten. Wer hinter dem Angriff steckt, ist bislang unbekannt, das Institut selbst ist seit Oktober 2023 von Russland als unerwünschte Organisation eingestuft.
Was ist passiert?
Das ZOiS erfuhr am 10. Juni von dem Angriff und erstattete Anzeige bei den zuständigen Sicherheitsbehörden. Nach eigenen Angaben verschafften sich die Angreifer zu mindestens einem Zeitpunkt Zugang zu den Dateiservern des Instituts und konnten auf die dort gespeicherten Dateien zugreifen. In welchem Umfang tatsächlich Daten entwendet wurden und welche Informationen konkret betroffen sind, lässt sich laut ZOiS nicht mit letzter Sicherheit feststellen. Die E-Mail-Server waren nach bisherigem Kenntnisstand nicht betroffen.
Externe Dienstleister übernehmen derzeit die forensische Aufklärung des Vorfalls. Das ZOiS hat die betroffenen Systeme vorübergehend vom Netz getrennt, sämtliche Passwörter zurückgesetzt und alle Geräte mit Zugriff auf die Dateiserver auf Schadsoftware überprüft. Die Meldung an die Datenschutzbehörden erfolgte form- und fristgerecht, ein externer Datenschutzbeauftragter begleitet den Vorfall.
Warum ist der Fall besonders heikel?
Das ZOiS wurde am 13. Oktober 2023 von der russischen Generalstaatsanwaltschaft als unerwünschte Organisation gelistet. Für russische Staatsangehörige, die mit dem Institut in Kontakt stehen oder standen, kann eine Zusammenarbeit strafrechtlich verfolgt werden. Genau das macht abgeflossene Kontaktdaten für diesen Personenkreis zu einem ernsten Sicherheitsrisiko, zumal das Institut zu Russland, der Ukraine und Belarus forscht und dabei auch mit Oppositionellen und Zivilgesellschaft im Kontakt steht.
Das ZOiS weist zudem darauf hin, dass Angreifer versuchen könnten, mit den beim Institut hinterlegten Kontoverbindungen unbemerkt Lastschriften einzuleiten. Solche unautorisierten Abbuchungen lassen sich in der Regel bis zu 13 Monate rückwirkend zurückbuchen.
Der Fall reiht sich in eine Serie von Cyberangriffen auf deutsche Osteuropa-Forschungseinrichtungen ein. 2024 wurden bei der Deutschen Gesellschaft für Osteuropakunde E-Mail-Konten kompromittiert, der Verband ging damals von russischer hybrider Kriegsführung aus. Im April 2026 meldete das Wissenschaftszentrum Berlin für Sozialforschung einen unbefugten Zugriff auf die E-Mails seiner Präsidentin.
- Aufgrund des Risikos von Phishing-Versuchen und Social Engineering raten wir dringend dazu, beim E-Mail-Empfang und beim Öffnen von E-Mails besonders vorsichtig zu sein, nur auf vertrauenswürdige Links zu klicken und die Identität der Absender*innen aufmerksam zu prüfen.
- Auch Bankbewegungen sollten Sie regelmäßig überprüfen, sodass unautorisierte Lastschriften rechtzeitig zurückgebucht werden können.