14 Schwachstellen in n8n: CERT-Bund stuft die Lage als kritisch ein
Für die Workflow-Automatisierungsplattform n8n sind 14 Sicherheitslücken geschlossen worden. Das CERT-Bund des BSI hat dazu den Sicherheitshinweis WID-SEC-2026-2267 veröffentlicht und die Gesamtgefahr mit einem CVSS-Base-Score von 9.9 als kritisch bewertet. Wer n8n selbst betreibt, sollte zeitnah aktualisieren.
Was gepatcht wurde
Die Lücken verteilen sich auf verschiedene Komponenten der Plattform und betreffen je nach Schwachstelle unterschiedliche Versionsstände. Deshalb ist der pragmatische Weg der direkte Sprung auf eines der abgesicherten Releases: 2.29, 2.30.2 (Pre-Release) oder 1.123.64.
Sieben der Advisories sind mit „High“ eingestuft, die übrigen mit „Moderate“. Am höchsten bewertet (8.9) wurden drei Lücken:
- Eine Race Condition im Git-Node. Zeitgleich ablaufende Prozesse können unerwartete Zustände erzeugen, was unter bestimmten Voraussetzungen Remote Code Execution durch authentifizierte Nutzer erlaubt. Die Angriffskomplexität ist hier hoch.
- Ein Fehler im Legacy Expression Evaluator, über den sich ebenfalls beliebiger Code ausführen lässt.
- Eine Schwachstelle bei der Verarbeitung von JSON Web Tokens (JWT), die Nutzern mit geringen Privilegien eine Rechteausweitung und anschließend Codeausführung ermöglichen kann.
Die weiteren schwerwiegenden Lücken betreffen die AI-Agent-Funktion, zwei Cross-Site-Scripting-Schwachstellen und eine fehlerhafte Enterprise-SSO-Implementierung, über die Nutzer unzulässig höhere Berechtigungen erhalten können.
Warum die Einstufung auseinandergeht
Bemerkenswert ist die Diskrepanz: In den GitHub-Advisories von n8n taucht als Höchstwert 8.9 („High“) auf, das CERT-Bund bewertet das Gesamtpaket dagegen mit 9.9 als kritisch. Der Grund liegt in der Betrachtungsweise. Einzeln bewertet ist keine der Lücken für sich genommen kritisch, in Summe und in Kombination ergibt sich aber ein deutlich anderes Risikobild. Genau das ist bei n8n der Regelfall: Die schwersten Angriffe der vergangenen Monate entstanden durch Verkettung, etwa Expression Injection plus Sandbox-Escape.
Hinweise auf aktive Ausnutzung dieser 14 Lücken in freier Wildbahn enthält die Veröffentlichung nicht. Das ist kein Grund zur Entwarnung, sondern ein Zeitfenster.
Warum n8n ein besonders lohnendes Ziel ist
Eine n8n-Instanz ist selten nur eine Anwendung. Sie ist der Ort, an dem die Zugangsdaten für alles andere liegen: API-Keys, OAuth-Tokens, Datenbank-Credentials, Zugriffe auf CRM, Ticketsystem, Cloud-Speicher und zunehmend auf LLM-Schnittstellen. Wer die Automatisierungsplattform übernimmt, muss die angebundenen Systeme nicht mehr einzeln angreifen. Er hat die Schlüssel bereits.
Dazu kommt die Vorgeschichte. n8n hatte im ersten Halbjahr 2026 eine Serie schwerer Lücken. Die Schwachstelle Ni8mare (CVE-2026-21858, CVSS 10.0) erlaubte unauthentifizierte Übernahme kompletter Instanzen; laut Shadowserver-Daten waren Ende Januar 2026 noch mehr als 39.000 Instanzen dafür anfällig. Eine weitere Sandbox-Escape-Lücke (CVE-2025-68613) hat die US-Behörde CISA im März 2026 in ihren Katalog aktiv ausgenutzter Schwachstellen aufgenommen. Angreifer haben die Plattform also längst auf dem Schirm.
- Auf 2.29, 2.30.2 oder 1.123.64 aktualisieren. Da die verwundbaren Versionsstände je Lücke variieren, ist ein selektives Patchen hier fehleranfällig.
- Prüfen, ob die Instanz überhaupt aus dem Internet erreichbar sein muss. n8n gehört in der Regel hinter VPN oder Reverse Proxy mit Authentifizierung, nicht offen ins Netz.
- Task Runner im External Mode betreiben (N8N_RUNNERS_MODE=external), um die Auswirkungen eines Sandbox-Ausbruchs zu begrenzen.
- Bei Verdacht auf Kompromittierung: N8N_ENCRYPTION_KEY und alle in n8n hinterlegten Zugangsdaten rotieren, Workflows auf manipulierte Expressions prüfen und Ausführungs-Logs auswerten. Gestohlene API-Keys bleiben sonst auch nach dem Update gültig.