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Gefälschtes Euronews-Video über tödlichen Zwischenfall bei NATO-Übung

Ein Video mit Euronews-Logo behauptet, ein ukrainischer Soldat habe bei der NATO-Übung „Baltic Trust 26“ in Lettland drei Verbündete erschossen. Euronews hat den Beitrag nie produziert, tödliche Zwischenfälle bei der Übung gab es nicht.

Was ist passiert?

Ein Video im Stil eines Nachrichtenbeitrags, mit Senderlogo, Ortseinblendung und Schlagzeile, behauptet, ein ukrainischer Soldat der Übung „Baltic Trust 26“ habe drei NATO-Soldaten erschossen und sich danach selbst getötet. Die Übung fand tatsächlich statt, vom 3. bis 14. August 2026 in Lettland mit rund 650 Teilnehmenden aus mehreren Staaten. Einen tödlichen Vorfall gab es dabei aber nicht. Euronews erklärte, den Beitrag weder produziert noch veröffentlicht zu haben, das eigene Logo sei missbraucht worden. Die lettischen Streitkräfte und die ukrainische Botschaft in Lettland wiesen die Darstellung bereits am Tag der Verbreitung öffentlich zurück und sprechen von einer koordinierten Desinformationskampagne.

Wie funktioniert diese Art von Desinformation?

Der Trick liegt in der Kombination aus wahrem Rahmen und erfundenem Kern. Die Übung, der Ort und die Beteiligung ukrainischer Soldat:innen sind real und lassen sich bestätigen, nur der eigentliche Vorfall ist frei erfunden. Ein bekanntes Senderlogo übernimmt dabei die Arbeit, die eigentlich eine Recherche leisten müsste, wer im Feed scrollt, prüft selten den Absender oder die Absenderin, sondern verlässt sich auf das wiedererkannte Logo. Verstärkt wird das dadurch, dass ein glaubwürdiges Ereignis gewählt wurde, das an bereits vorhandene Skepsis gegenüber einem Bündnispartner anknüpft. Gerade in Verbindung mit der Desinformationskampagne Russlands gegenüber der Ukraine, erscheint dies glaubwürdig.

Warum ist das relevant?

Der gefälschte Beitrag erreichte laut dokumentierten Zahlen deutlich mehr Aufrufe als die offiziellen Richtigstellungen, obwohl diese am selben Tag veröffentlicht wurden. Das zeigt ein grundsätzliches Problem bei Desinformation. Eine Falschmeldung verbreitet sich oft schneller und weiter als ihre Korrektur. Der Fall macht außerdem deutlich, dass auch etablierte Nachrichtenmarken für solche Fälschungen missbraucht werden können, ohne dass es dafür aufwendige technische Mittel braucht. Politisch zielt die Fälschung erkennbar darauf ab, Misstrauen zwischen der Ukraine und ihren NATO-Partnern zu säen, die lettischen Streitkräfte selbst ordnen den Vorfall als Teil einer koordinierten Desinformationskampagne ein und verweisen dabei auf Russland als möglichen Urheber, ein öffentlich belastbarer Nachweis darüber liegt bislang aber nicht vor.

Handlungsempfehlungen
  • Bei Videos mit Senderlogo prüfen, ob der Beitrag tatsächlich auf der Website oder den offiziellen Kanälen des genannten Senders zu finden ist
  • Bei großen, folgenschweren Ereignissen darauf achten, ob es weitere unabhängige Berichte gibt, nicht nur einen einzelnen viralen Clip
  • Prüfen, ob sich direkt Betroffene (in diesem Fall Armeen, Ministerien, Behörden) bereits geäußert haben
  • Ein verifiziertes Konto-Häkchen nicht mit journalistischer Prüfung verwechseln, es ist inzwischen meist nur ein bezahltes Emblem
  • Inhalte vor dem Teilen prüfen, besonders wenn sie das Erscheinungsbild bekannter Medien imitieren