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IT-Panne überschreibt elf Jahre Geburtsdaten in britischer Klinik

Beim britischen Klinikverbund Nottingham University Hospitals NHS Trust hat eine Routinewartung eine Datenbank mit Geburtshilfe-Daten aus elf Jahren überschrieben. Es handelt sich nicht um einen Cyberangriff, sondern um einen menschlichen Fehler. Die eigentlichen Behandlungsdaten konnten wiederhergestellt werden, die Zugriffsprotokolle aus den Jahren 2011 bis 2022 aber nicht vollständig, also ausgerechnet die Aufzeichnungen, die für die Aufarbeitung eines schweren Geburtshilfe-Skandals wichtig sind. Der Fall zeigt, wie viel Schaden ein wiederverwendetes Skript und eine übersehene Einstellung anrichten können.

Was ist passiert

Am 18. August 2026 wollten Mitarbeitende eine Kopie einer Strahlentherapie-Datenbank für Auswertungszwecke anlegen. Dafür nutzten sie ein vorgefertigtes Skript, das zuvor schon für ein anderes Kliniksystem eingesetzt worden war. Eine Einstellung, die vor dem Lauf hätte angepasst werden müssen, wurde übersehen. Dadurch lief der Vorgang gegen eine Datenbank mit Geburtshilfe-Daten und überschrieb diese, statt die Strahlentherapie-Datenbank zu kopieren. Betroffen sind elf Jahre an Daten, von September 2011 bis November 2022. Öffentlich gemacht hat der Klinikverbund den Vorfall am 21. September 2026.

Was wiederhergestellt wurde und was fehlt

Mit Hilfe externer Fachleute konnte der Trust die für die Behandlung nötigen Daten wiederherstellen, darunter Notizen, Beobachtungen und Testergebnisse. Auf die laufende Versorgung von Müttern und Kindern hat der Vorfall nach Angaben der Klinik keine Auswirkungen. Nicht vollständig wiederherstellbar ist dagegen das Protokoll darüber, wer zwischen September 2011 und November 2022 auf die Geburtshilfe-Akten zugegriffen hat.

Dieser Verlust wiegt besonders schwer, weil der Klinikverbund im Zentrum der größten Untersuchung der Geburtshilfe in der Geschichte des NHS steht. Die im Juni 2026 abgeschlossene Untersuchung unter Leitung der Hebamme Donna Ockenden kam zu dem Ergebnis, dass mehr als 500 Mütter und Babys vermeidbaren Schaden erlitten, 162 von ihnen starben nach unzureichender Versorgung. Parallel läuft seit September 2023 eine strafrechtliche Ermittlung der Polizei. Die nun fehlenden Zugriffsprotokolle hätten zeigen können, ob jemand unberechtigt auf die Akten betroffener Mütter und Kinder zugegriffen hat. Die Polizei prüft, welche Folgen der Datenverlust für ihre Ermittlungen hat. Betroffene Familien sprechen davon, dass ihnen ein Stück Aufklärung genommen wurde. Der zuständige Digitalverantwortliche des Trusts hat sich für den Vorfall entschuldigt.

Warum das für IT-Verantwortliche relevant ist

Der Vorfall ist kein Datendiebstahl, sondern ein Verlust von Verfügbarkeit und Integrität. Die Lehre daraus gilt aber über das Gesundheitswesen hinaus. Wiederverwendete Automatisierung ohne Prüfung des Ziels, fehlende Kontrolle bei Änderungen an produktiven Systemen und Lücken in der Backup-Abdeckung können zu einem unwiderruflichen Verlust führen. Im Fall Nottingham ließen sich die Hauptdatenbanken offenbar wiederherstellen, die Protokolldatenbank jedoch nicht. Genau solche Audit- und Zugriffsprotokolle sind im Ernstfall selbst Beweismittel und brauchen denselben oder einen stärkeren Schutz als die eigentlichen Nutzdaten.

Handlungsempfehlungen
  • Wiederverwendete Skripte und Automatisierungen vor jedem Lauf gegen das richtige Zielsystem prüfen, idealerweise mit verpflichtender Bestätigung des Ziels und einem Testlauf ohne Schreibzugriff.
  • Änderungen an produktiven Datenbanken über ein geregeltes Änderungsverfahren absichern, etwa mit dem Vier-Augen-Prinzip.
  • Zugriffs- und Audit-Protokolle getrennt und möglichst unveränderbar ablegen, damit sie weder versehentlich überschrieben noch gezielt manipuliert werden können.